Eis frei! ins neue Jahr

Pünktlich zum Jahreswechsel hat Steven an den „wichtigsten Termin für die TKV-Winterpaddel-Gemeinde“ erinnert. Da Dänen nicht lügen und ich mir sowas selten zweimal sagen lasse, stelle ich mir den Wecker auch an diesem Neujahrsmorgen auf eine Zeit, die die meisten Mitbürger eher ungläubig zurück lässt. Dafür starte ich gemeinsam mit den ausgebufftesten Frühaufstehern des TKV, einem todsicheren Plan und der Aussicht auf einen grandiosen Sonnenaufgang ins neue Jahr. Außerdem lockt Rührei – das Frühstück der Champions. Da der Jahreswechsel auch in diesem Jahr wieder in den Winter fiel und Wasser bei jahreszeittypischen Temperaturen manchmal hart wird, konnten wir einmal mehr mit unseren Paddeln auf Eis einschlagen, um so manche Engstelle zu passieren (nicht zu Hause nachmachen!). Ich würde lügen, würde ich behaupten, das hätte keinen Spaß gemacht.

Zum sportlichen Teil: Die Statistik der Eierfahrt zum Weißen Schwan ist einfach. In den letzten vier Jahren ging der Titel des Jahresersten zweimal an den TKV und zweimal an die rückwärtsfahrenden Sportfreunde aus Birkenwerder. Welche Ausrede letztere auch immer anbringen (Eis gilt nicht), bis zum 31.12.2017 wird – allen kritischen Blicken und garstigen Kommentaren der Schwan-Belegschaft zum Trotz – eine kunstvoll von weitgereister Männerhand beschriftete Tafel den Notausgang des Schwans zieren. Wie ich schon anderenorts dokumentiert habe, sind Vorsätze nicht meins. Aber mit einem neuen Boot im Stall (der Trend geht zum Fünftboot!) und verschiedenen Plänen im Kopf, führt in diesem Jahr vielleicht eines zum anderen und hier erscheinen wieder mehr Beiträge.

Essen auf Rädern

Zwei Kilogramm Werkzeug, genug Ersatzteile um ein komplettes Fahrrad zu bauen und Verpflegung für eine längere Polarexpedition. Wir fahren ja schließlich durch Brandenburg. Mit Anhänger. Am Rad. Also wieder ein thematisch völlig verfehlter Beitrag hier im Blog.

Zur Rechtfertigung: durch den Perspektivwechsel kann man viele vom Wasser aus bekannte Orte völlig neu erleben. So ist es an Land mangels Brücken offenbar entscheidend, auf welcher Uferseite man sich befindet, wenn man bestimmte Ausflugslokale ansteuert – zum Beispiel den Ort der Neujahrsschmach.

Der Fahrradweg Berlin – Kopenhagen ist für solch ein Unterfangen ideal. Alles ist gut ausgebaut und ausgeschildert. Am Wegesrand kann man sich vor Hotels und Pensionen gar nicht retten, wenn die Temperaturen und / oder die Anhängerbesatzung eine Übernachtung im Zelt nicht zulassen. Zudem gibt es unzählige Pausenplätze und Ausflugslokale. Killerfeature: alle paar Kilometer – zugegeben: manchmal ein paar mehr – gibt es einen Bahnhof, von dem aus man binnen Stundenfrist zurück in Berlin ist. Und wo sonst kann man am Ostersonntag den Weihnachtsmann besuchen? In drei Tagen haben wir es nicht ganz bis Kopenhagen geschafft, sondern nur bis Fürstenberg/Havel. Eine Fortsetzung erscheint daher nicht ausgeschlossen.

Aller Jahre wieder

Auch 2015 ist die Aller-Hochwasser-Rallye mal wieder mein Einstieg in die Saison. Rücken und verlängertes Rückenmark wollen an sitzende Tätigkeit gewöhnt werden. Während sie dies leidlich gut erledigen, windet sich unter dem Rumpf die Aller Richtung Nordwesten. Typisches Bild: Rechtskurve, Hausansammlung mit Storchennest zur Linken. Das ist natürlich sehr idyllisch. Ein wenig mehr Kreativität hätte man dem Landschaftsarchitekten doch abverlangen können. Fantasievoller waren seine Kollegen aus der Meteorologie. Haben sie sich doch etwas ausgedacht, was so gar nicht zur Realität passen wollte. Bei angenehmem Sonnenschein und langen Rückenwind-Strecken kam so mancher Paddler angesichts der eher pessimistischen Bekleidung ein wenig ins Schwitzen.

Apropos Rechtskurve (steht im Text ziemlich weit oben, aber eine Überleitung muss her). So mancher fragt sich auf fließenden Gewässern, ob er in Kurven eher auf der Innenseite (kurz) oder Außenseite (schnell) bleiben soll. Daher ein paar Gedanken zur Anatomie des Flusses:

  • Grundsätzlich ist der Fluss in der Mitte am tiefsten und die Strömung am stärksten. Auf der Geraden ist es also zunächst sinnvoll, dort zu paddeln.
  • In einer Kurve sorgen die Zentrifugalkräfte dafür, dass die Strömung an der Außenseite stärker ist und das Flussbett dort tiefer. Auf der Innenseite ist der Fluß in der Regel flach und die Strömung schwach.
  • Die Außenseite ist also die einfachere und kräftesparendere Alternative. Die Innenseite ist kürzer, benötigt aber mehr Kraft, gerade über sehr flachen Abschnitten.
  • Die Entscheidung für eine Seite hängt damit von Ambition und Kondition ab. Im Zweifel ist die Mitte einer gesunder Kompromiss zwischen schnell und kurz.

Begrabt meine Kamera an der Biegung des Flusses!

Im März hat man auf erzgebirgischen Wildflüssen die Chance auf gute Paddelbedingungen. Sicher ist das nicht und manchmal muss auch eine Talsperre nachhelfen. Nach der Premiere im letzten Jahr haben wir uns auch in diesem Jahr dem SCBG bei seiner traditionellen Wildwasserfahrt angeschlossen. Gepaddelt wurde natürlich abwechselnd. Samstags mit weiblicher Eleganz auf der Flöha, sonntags mit männlichem Übermut auf der Zwickauer Mulde. Wichtigste Lektionen des Wochenendes: nach fest kommt ab & Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denk-, senken aber das Rollvermögen. Vielen Dank an Pro-Tec für kein Muß im Kopf und Glückwunsch an GoPro für das Geschäftsmodell!

Olympiasieger-Besieger – 1000Seen-Marathon 2014

Als großartige Veranstaltung zum Saisonabschluss hat sich in diesem Jahr wieder der 1000Seen-Marathon herausgestellt. Dieses Mal entscheide ich mich, auf der Marathondistanz anzutreten. Ein nur mäßig trainierter Sitzmuskel und die Eindrücke von der Langdistanz vor zwei Jahren lassen mich vor größeren Anstrengungen zurückschrecken. Die Wetterprognose geht auch in diesem Jahr von regnerischem Wetter aus – soll damit aber (wie in diesem Sommer häufiger) ziemlich daneben liegen. Meine Ansprüche schraube ich nicht allzu hoch. Auf dem Weg zur Diemitzer Schleuse und dem Start des Marathons erspähe ich einen schönen Holzkanadier. Zumindest vor dem möchte ich im Ziel sein. Der zweite Blick weist mich in meine Schranken, erkenne ich doch den Steuermann. Der heißt Andreas Dittmer und ist mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Kanadier. Hmmm….

Ging es bei unserem Start vor zwei Jahren auf der Langstrecke sehr ruhig ab, ist das Startfeld heute deutlich größer und es wird ganz schön wellig. Ich freue mich, dass ich den Gedanken, mit einem deutlich flotteren Touringboot anzutreten, weggewischt habe. Während ich sicher im Seekajak sitze, kentert ein gutes Stück neben mir bereits ein Streamliner, dem sofort geholfen wird. Klasse! Auch im Kanal zum Vilzsee ist es voll und kabbelig. Ich paddle meine Geschwindigkeit, die nicht unbedingt hoch ist – ich will mich nicht gleich völlig verausgaben. Das Umtragen an der Fleether Mühle klappt dank freundlicher Unterstützung wunderbar und ich verliere wenig Zeit. Ich komme mit einigen Paddlern in lockere Gespräche. Von hinten kommt irgendwann der Kanadier mit Dittmer vorbei. Renntempo fährt der nicht. Dranbleiben kann ich aber momentan auch nicht. Schade.

Geht es also noch entspannter weiter. Ich lasse den ein oder anderen Zweier passieren und ermahne mich, dieses Mal auch die herrliche Natur zu genießen. Auch die Umtragung in Wustrow klappt wunderbar. Auf dem Plätlinsee ist das Feld vor mir wieder besser einzusehen – so weit hinten bin ich ja gar nicht. Vor allem erspähe ich ein rotes Shirt, das ziemlich hoch sitzt. Ich beschließe also, bis zur Schwaanhavel Boden gut zu machen. Schwaanhavel… da war doch was. Kurz: die flache und enge Schwaanhavel bremst natürlich wieder aus.

Ich komme in diesem Jahr aber erstaunlich gut durch und bin am Ausgang recht dicht an einer langgezogenen Gruppe und einem schönen Holzkanadier. Als ich zu diesem aufschließe, macht er gerade an der Fischräucherei am Drewensee fest. Ich höre noch, wie sich die Kanadierfahrer zurufen: „Oh Mist. Jetzt sind wir überholt worden.“ Oh ja – und den Sieg fahre ich jetzt nach Hause! Seit der Schwaanhavel läuft es überraschend gut. Kein Einbruch wie im letzten Jahr. So überhole ich einige weitere Mitpaddler. Ein Kajakfahrer mit Wingpaddel fragt interessiert, was das für ein Paddel sei, das ich da fahre und ob man damit tatsächlich vorwärts kommt. Nach einer kurzen Erläuterung lasse ich Taten sprechen und bin weg.

Ich lege mich auf eine Null-Stop-Strategie fest, schiebe mir Banane Nummer drei sowie Snickers Nummer zwei rein und nehme die nächste Gruppe auf’s Korn. Zweimal heißt es noch an Schleusen umzutragen und ein paar Kilometer abzureißen. Konstant treibe ich mein Kajak voran, kein Einbruch, ich wittere den Sieg. Nach der Canower Schleuse schaue ich mich hin und wieder um. Mit etwas Abstand paddeln da ein paar Kajaks – kein Kanadier. Beschwingt biege ich daher um die Ecke und das Zielfloß kommt in Sicht. Ich lege nochmal ein wenig drauf und ziehe beherzt am Stock. Das war’s. 5:43. Olympiasieger-Besieger!

Ein Plan und der südlichste Punkt Dänemarks

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“ pflegte John „Hannibal“ Smith stets zu sagen. Sowas kann mir nicht passieren. An die Ostseeküste fahre ich nur mit Boot und das muss auf’s Wasser – egal, wie das Wetter ist. Wir verbringen den Urlaub in Marielyst auf Falster, gut zehn Kilometer nördlich von Gedser. Der Wind bläst kräftig aus Süd. Also: was liegt näher als gegen den Wind nach Gedser zu paddeln und zurück zu surfen? Vieles sicherlich – aber das ist hier immer noch mein Plan!

Also geht es auf die Ostsee. Wie erwartet, ist das Paddeln gegen einen 6er Wind nicht wirklich einfach. Ich verbuche das unter Training. Wirklich flott bin ich nicht und die Südspitze von Falster kommt und kommt nicht näher. Unter dem Strich paddle ich einen guten 4er-Schnitt. Durchaus annehmbar. Je näher ich der Südspitze komme, desto stärker bläst mir der Wind entgegen. Teilweise habe ich das Gefühl, gar nicht mehr voranzukommen. Neben mir schweben Möwen elegant auf der Stelle und schießen immer wieder pfeilschnell ins Wasser. Ich gebe nochmal alles und fahre um die Südspitze, den südlichsten Punkt Skandinaviens. Für Ehrfurcht habe ich keine Zeit. In Anbetracht der brechenden Wellen und des ein oder anderen Felsens wechsle ich die Schirmmütze gegen den Helm, der griffgreit auf Deck hinter mir liegt. Auch wenn meine Pläne nicht immer die besten sind, bin ich zumindest vorbereitet.

Ich schiebe mich weiter um die Inselspitze herum. Die Wellen werden immer größer und sind teilweise eineinhalb bis zwei Meter hoch. Ich versuche, mich nicht von ihnen mitnehmen und an Land drücken zu lassen. Das geht eine ganze Weile gut. Je mehr ich aber den Rest der Strecke einsehen kann, desto weniger Lust verspüre ich, weiterzupaddeln. Die noch verbleibenden zwei bis drei Kilometer gibt es ziemlich starken Wind und brechende Wellen von der Seite. Wäre ich nach drei Stunden gegen den Wind paddeln nicht schon völlig fertig, hätte ich das vielleicht sogar in Angriff genommen. So bin ich aber fast dankbar, als mich einer der Brecher nun so weit ans Land trägt, dass ich nicht mehr weg komme. Ich konzentriere mich also darauf, eine der Stellen zu erwischen, die frei von Felsen sind. Das Anlanden ging auch schon mal eleganter – aber sei es drum. Raus ist raus. Das GPS sagt: 12 km in drei Stunden. Rekorde sehen anders aus.

Ein freundlicher Urlauber hilft mir dabei, das Boot die Küste hinaufzutragen, und weist mir den Weg Richtung Gedser. Er kündigt mir zudem einige schöne Fotos an, die er von mir geschossen hat. Zwei weitere Pluspunkte auf meiner Vorbereitungsliste: Bootswagen und Wechselklamotten sind im Kajak. Wäre ich beim Rollern an der Küste nicht noch in einen heftigen Schauer gekommen, wäre also zumindest Plan B ziemlich gut aufgegangen.

Singapur: Paddeln unter tropischer Sonne

06_22_Singapur-12Dienstreisen haben manchmal den Vorteil, dass man noch ein paar freie Tage dranhängen kann und das bei entsprechenden Zielen auch möchte. Im Sommer 2012 und Singapur war bei uns beides der Fall. Ein Besuch im Inselstaat bot sich einfach an, auch einen kleinen Paddelausflug zu unternehmen. Dank der Thailand-Erfahrungen hatten wir schon vor Reiseantritt an die wesentliche Ausrüstung gedacht (Badehose, dünnes Langarmshirt & Schirmmütze mit Nackenschutz). Nun fehlte also nur noch die passende Gelegenheit, sich ein Kajak zu leihen. Mit Reiseführer, Internet und persönlichen Empfehlungen hatten wir diverse Gelegenheiten ausgemacht:

  • Der Tipp aus dem Reiseführer war ein glatter Reinfall. Auf der Singapur vorgelagerten Insel Sentosa gibt es am Siloso Beach die Möglichkeit, Kajaks zu leihen. Die in Aussicht gestellten „sea canoes“ waren Sit-on-Tops, auf denen man für gut 30 Euro die Stunde in einer 200m breiten Bucht auf und ab fahren darf. In selbiger zu baden fanden wir dann doch reizvoller.
  • Das Mac Ritchie Reservoir ist eines von Singapurs Süßwasser-Reservoirs, zentral auf der Insel gelegen. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass es dort zwar einen Kajakverleih gibt, die Fahrten dort allerdings restriktiv gehandhabt werden. Ohne vorher verschiedene Kurse bei der Singapore Canoe Federation absolviert zu haben, darf man sich auch dort nicht allzu weit vom Ufer entfernen.
  • Eine Kollegin vor Ort wusste zu berichten, dass ein Kanuverein gern interessierte Paddler mitnimmt. Allerdings wurde dort gerade für ein Drachenbootrennen trainiert. Das war uns dann unter tropischer Sonne doch zu viel des Guten.
  • Ein Bericht beim SV Wacker Burghausen gab dann den Ausschlag für die Wahl der Lokalität.

Am Pasir Ris Beach Park gibt es einen Kajak-Verleih, der auch ohne Kurse Kajaks vermietet – bestens angebunden an Singapurs U-Bahn. Wir machten uns also auf zu einem kleinen Verleih direkt neben dem Restaurant „Water Cross“ (auf den Parkplänen gut verzeichnet). Angekommen waren wir positiv überrascht, dass neben den obligatorischen Sit-on-Tops auch Seekajaks vorhanden waren. Der Vermieter war ein wenig skeptisch, sie uns auch zu vermieten. Nach ein wenig Fachsimpeln als Kompetenznachweis gab er uns zu den „Current Design Storm“-Booten auch noch ein paar erstklassige Tourentipps. So ganz traute er dem Braten und unserem Können wohl doch nicht, kündigte er doch an, um 18 Uhr (eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang) eine Suchmannschaft loszuschicken, wenn wir bis dahin nicht zurück wären.

Wir peilten jedoch voller Zuversicht den Ausgang der Betonnung an, die die Badestrände vom Fahrwasser trennt und setzten Kurs auf eine Gruppe von Fischfarmen, die zwischen uns und der Insel Pulau Ubin lagen. Von dort aus ging es direkten Wegs auf eine kleine vorgelagerte Insel zu. Die wollten wir umrunden, da uns dahinter ein sehenswerter Mangrovenwald in Aussicht gestellt wurde. Mangels Guide waren wir auf einen kleinen Arm beschränkt, da sonst die Suchmannschaft wohl doch zu tun bekommen hätte. Relativ weit vom Stadtzentrum entfernt und vom Wasser aus, hinterlässt Singapur einen komplett anderen Eindruck, ohne Stahl und Glas – dafür mit viel tropischer Natur und weniger prächtigen Wohnhäusern für die Stadträndler. Den sollte man sich nicht entgehen lassen!