Grönlandtechnik: Bugruder

Das Boot mit einem Bugruder zu drehen, funktioniert auch mit dem Grönlandpaddel. Dieser Steuerschlag ist effektiv, um das Kajak den Wind zu bewegen …und sieht ziemlich klasse aus. Je nach Vorliebe gibt es mehrere Varianten: das klassische Bugruder oder das gekreuzte Bugruder.

Klassisches Bugruder

Grönlandpaddel Bugruder bow rudderEingeleitet wird wird die Drehbewegung des Kajaks durch den Ansatz eines Heckruders auf der Seite, zu der gedreht werden soll oder durch einen kurzen Bogenschlag auf der gegenüberliegenden Seite. Beides sollte sich flüssig das Vorwärtspaddeln anschließen.

Das Kajak wird jetzt auf der Seite, zu der gedreht werden soll, aufgekanntet und das Paddel möglichst senkrecht eingesetzt. Der gegenüberliegende Fuß wird zur Unterstützung in die Fußraste gepresst. Die obere Hand sollte auf Kopfhöhe fixiert werden. Beide Handflächen zeigen in Fahrtrichtung. Während das Blatt anfangs noch parallel zur Fahrtrichtung eingetaucht ist, wird es jetzt so aufgedreht, dass die dem Paddler abgewandte Blattfläche im deutlichen Winkel zur Fahrtrichtung steht.

Gekreuztes Bugruder

Grönlandpaddel gekreuztes Bugruder Cross-bow rudderEingeleitet wird das gekreuzte Bugruder („cross-bow rudder“) wiederum von einem kurzen kräftigen Bogenschlag auf der gegenüberliegenden Seite. Das Blatt, das eben noch den Bogenschlag ausgeführt hat, wird nun über das Kajak gehoben. Nachdem es zunächst parallel zur Fahrtrichtung eingetaucht wird, wird es anschließend so aufgedreht, dass die Arbeitsseite senkrecht zur Fahrtrichtung gestellt wird.

Olympiasieger-Besieger – 1000Seen-Marathon 2014

Als großartige Veranstaltung zum Saisonabschluss hat sich in diesem Jahr wieder der 1000Seen-Marathon herausgestellt. Dieses Mal entscheide ich mich, auf der Marathondistanz anzutreten. Ein nur mäßig trainierter Sitzmuskel und die Eindrücke von der Langdistanz vor zwei Jahren lassen mich vor größeren Anstrengungen zurückschrecken. Die Wetterprognose geht auch in diesem Jahr von regnerischem Wetter aus – soll damit aber (wie in diesem Sommer häufiger) ziemlich daneben liegen. Meine Ansprüche schraube ich nicht allzu hoch. Auf dem Weg zur Diemitzer Schleuse und dem Start des Marathons erspähe ich einen schönen Holzkanadier. Zumindest vor dem möchte ich im Ziel sein. Der zweite Blick weist mich in meine Schranken, erkenne ich doch den Steuermann. Der heißt Andreas Dittmer und ist mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Kanadier. Hmmm….

Ging es bei unserem Start vor zwei Jahren auf der Langstrecke sehr ruhig ab, ist das Startfeld heute deutlich größer und es wird ganz schön wellig. Ich freue mich, dass ich den Gedanken, mit einem deutlich flotteren Touringboot anzutreten, weggewischt habe. Während ich sicher im Seekajak sitze, kentert ein gutes Stück neben mir bereits ein Streamliner, dem sofort geholfen wird. Klasse! Auch im Kanal zum Vilzsee ist es voll und kabbelig. Ich paddle meine Geschwindigkeit, die nicht unbedingt hoch ist – ich will mich nicht gleich völlig verausgaben. Das Umtragen an der Fleether Mühle klappt dank freundlicher Unterstützung wunderbar und ich verliere wenig Zeit. Ich komme mit einigen Paddlern in lockere Gespräche. Von hinten kommt irgendwann der Kanadier mit Dittmer vorbei. Renntempo fährt der nicht. Dranbleiben kann ich aber momentan auch nicht. Schade.

Geht es also noch entspannter weiter. Ich lasse den ein oder anderen Zweier passieren und ermahne mich, dieses Mal auch die herrliche Natur zu genießen. Auch die Umtragung in Wustrow klappt wunderbar. Auf dem Plätlinsee ist das Feld vor mir wieder besser einzusehen – so weit hinten bin ich ja gar nicht. Vor allem erspähe ich ein rotes Shirt, das ziemlich hoch sitzt. Ich beschließe also, bis zur Schwaanhavel Boden gut zu machen. Schwaanhavel… da war doch was. Kurz: die flache und enge Schwaanhavel bremst natürlich wieder aus.

Ich komme in diesem Jahr aber erstaunlich gut durch und bin am Ausgang recht dicht an einer langgezogenen Gruppe und einem schönen Holzkanadier. Als ich zu diesem aufschließe, macht er gerade an der Fischräucherei am Drewensee fest. Ich höre noch, wie sich die Kanadierfahrer zurufen: „Oh Mist. Jetzt sind wir überholt worden.“ Oh ja – und den Sieg fahre ich jetzt nach Hause! Seit der Schwaanhavel läuft es überraschend gut. Kein Einbruch wie im letzten Jahr. So überhole ich einige weitere Mitpaddler. Ein Kajakfahrer mit Wingpaddel fragt interessiert, was das für ein Paddel sei, das ich da fahre und ob man damit tatsächlich vorwärts kommt. Nach einer kurzen Erläuterung lasse ich Taten sprechen und bin weg.

Ich lege mich auf eine Null-Stop-Strategie fest, schiebe mir Banane Nummer drei sowie Snickers Nummer zwei rein und nehme die nächste Gruppe auf’s Korn. Zweimal heißt es noch an Schleusen umzutragen und ein paar Kilometer abzureißen. Konstant treibe ich mein Kajak voran, kein Einbruch, ich wittere den Sieg. Nach der Canower Schleuse schaue ich mich hin und wieder um. Mit etwas Abstand paddeln da ein paar Kajaks – kein Kanadier. Beschwingt biege ich daher um die Ecke und das Zielfloß kommt in Sicht. Ich lege nochmal ein wenig drauf und ziehe beherzt am Stock. Das war’s. 5:43. Olympiasieger-Besieger!

Grönlandtechnik mit Greg Stamer

Die besten Texte zur Paddeltechnik mit dem Grönlandpaddel stammen von Greg Stamer. So war ich einigermaßen begeistert, dass Seakayaking Germany ihn für eine Workshopreihe in Flensburg gewinnen konnte. Mein Hauptinteresse galt der Technik mit dem Paddel – trotzdem ließ ich mich überzeugen, auch am Rollen-Workshop für Fortgeschrittene teilzunehmen. Und das hat sich definitiv gelohnt. Mir geht es aktuell weniger darum, irgendwelche neuen Arten von Rollen in verrückten Körperhaltungen und Paddelpositionen zu erlernen. Vielmehr will ich die Standardrollen, die ich schon beherrsche, festigen und weiter perfektionen. Greg hat schon mehrmals an den Greenland Kayaking Championships teilgenommen und in Grönland von Grönländern gelernt. So hat er einen guten Blick für Details und kann auch Hintergründe der einzelnen Rollen gut vermitteln. Einige seiner prägnanten Kommentare wie „der Teil ist nur für die Show“ oder „dafür würden sie Dir während der Championships Punkte abziehen“ haben definitiv geholfen, die Rollen eleganter aussehen zu lassen und gleichzeitig zusätzliche Sicherheitsaspekte zu integrieren.

Der für mich viel interessantere Teil waren aber die zwei folgenden Tage, in denen es mal nicht darum ging, was die meisten Paddler mit dem Grönlandpaddel machen – nämlich rollen. Vielmehr standen die Grundlagen der Fortbewegung, Manövrieren und Stützen auf dem Programm. Mein erklärtes Ziel, Hinweise für einen effizienteren Vorwärtsschlag zu bekommen und damit das Geschwindigkeitspotenzial zu steigern, haben sich voll erfüllt. Ich fahre nach Hause mit einer längeren Liste von Optimierungspotenzial und einem tieferen Verständnis für Bewegungsabläufe und Wirkungsweise des Paddels. Daraus ergeben sich viele Punkte, die ich bei Gelegenheit in meine Rubrik zur Grönlandtechik einarbeiten werde. Zusätzlich haben sich mir noch Sachen erschlossen, die ich vorher noch nicht wirklich probiert hatte, insbesondere verschiedene Formen von Bugrudern. Unter dem Strich: ein großartiges Wochenende mit vielen Aha-Effekten und einem großartigen Coach in sehr angenehmer Runde von Mitpaddlern.

Björn von liquidmedicine.de hat einen kleinen Film über den Rollenkurs gedreht.

Ein Plan und der südlichste Punkt Dänemarks

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“ pflegte John „Hannibal“ Smith stets zu sagen. Sowas kann mir nicht passieren. An die Ostseeküste fahre ich nur mit Boot und das muss auf’s Wasser – egal, wie das Wetter ist. Wir verbringen den Urlaub in Marielyst auf Falster, gut zehn Kilometer nördlich von Gedser. Der Wind bläst kräftig aus Süd. Also: was liegt näher als gegen den Wind nach Gedser zu paddeln und zurück zu surfen? Vieles sicherlich – aber das ist hier immer noch mein Plan!

Also geht es auf die Ostsee. Wie erwartet, ist das Paddeln gegen einen 6er Wind nicht wirklich einfach. Ich verbuche das unter Training. Wirklich flott bin ich nicht und die Südspitze von Falster kommt und kommt nicht näher. Unter dem Strich paddle ich einen guten 4er-Schnitt. Durchaus annehmbar. Je näher ich der Südspitze komme, desto stärker bläst mir der Wind entgegen. Teilweise habe ich das Gefühl, gar nicht mehr voranzukommen. Neben mir schweben Möwen elegant auf der Stelle und schießen immer wieder pfeilschnell ins Wasser. Ich gebe nochmal alles und fahre um die Südspitze, den südlichsten Punkt Skandinaviens. Für Ehrfurcht habe ich keine Zeit. In Anbetracht der brechenden Wellen und des ein oder anderen Felsens wechsle ich die Schirmmütze gegen den Helm, der griffgreit auf Deck hinter mir liegt. Auch wenn meine Pläne nicht immer die besten sind, bin ich zumindest vorbereitet.

Ich schiebe mich weiter um die Inselspitze herum. Die Wellen werden immer größer und sind teilweise eineinhalb bis zwei Meter hoch. Ich versuche, mich nicht von ihnen mitnehmen und an Land drücken zu lassen. Das geht eine ganze Weile gut. Je mehr ich aber den Rest der Strecke einsehen kann, desto weniger Lust verspüre ich, weiterzupaddeln. Die noch verbleibenden zwei bis drei Kilometer gibt es ziemlich starken Wind und brechende Wellen von der Seite. Wäre ich nach drei Stunden gegen den Wind paddeln nicht schon völlig fertig, hätte ich das vielleicht sogar in Angriff genommen. So bin ich aber fast dankbar, als mich einer der Brecher nun so weit ans Land trägt, dass ich nicht mehr weg komme. Ich konzentriere mich also darauf, eine der Stellen zu erwischen, die frei von Felsen sind. Das Anlanden ging auch schon mal eleganter – aber sei es drum. Raus ist raus. Das GPS sagt: 12 km in drei Stunden. Rekorde sehen anders aus.

Ein freundlicher Urlauber hilft mir dabei, das Boot die Küste hinaufzutragen, und weist mir den Weg Richtung Gedser. Er kündigt mir zudem einige schöne Fotos an, die er von mir geschossen hat. Zwei weitere Pluspunkte auf meiner Vorbereitungsliste: Bootswagen und Wechselklamotten sind im Kajak. Wäre ich beim Rollern an der Küste nicht noch in einen heftigen Schauer gekommen, wäre also zumindest Plan B ziemlich gut aufgegangen.

Auf der Suche nach dem perfekten Grönlandpaddel

Der Artikel „Pursuing the perfect Greenland paddle“ von Christopher Crowhurst erschien im Juli 2014 in Ausgabe 42 des Ocean Paddler Magazine und unter Qajaqrolls.com. Die deutsche Übersetzung erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Als die antiken Inuit entlang der Küste Grönlands erstmalig ihre Handwerkskunst aufnahmen, waren ihre Paddel bereits beeinflusst von Generationen früherer Paddelschnitzer. Durch die Migration der Inuit aus Ost und West übernahmen sie Traditionen und Techniken, die von den Küstenvölkern des nördlichen Atlantik und Pazifik entwickelt worden waren. Die vorherrschenden Doppelpaddel der Inuit waren stark geprägt durch die für die Jagd notwendige Lautlosigkeit und Geschwindigkeit. Die Ansprüche moderner Paddler haben sich geändert und die wenigsten jagen noch für ihren Lebensunterhalt. Daher ist es nicht überraschend, dass sich die Form ihrer Paddel weiterentwickelt hat.

Das Grönlandpaddel ist ein leistungsfähiges Werkzeug. Viele scheinen damit nur das Rollen im Kajak zu assoziieren. Dieses Klischee wird vermutlich dadurch verschärft, dass Leute wie ich hauptsächlich Videos vom Rollen veröffentlichen und wenige Artikel zu dem Anwendungsgebiet veröffentlicht werden, in dem das Paddel tatsächlich hervorsticht, nämlich vorwärts zu paddeln und das Kajak zu manövrieren. Viele Langstreckenrekorde im Paddeln wurden durch Grönlandpaddler aufgestellt; man erinnere sich nur an den Geschwindigkeitsrekord, den Jo O’Blenis bei der Umrundung von Vancouver Island aufgestellt hat. Dabei hat er ein Grönlandpaddel benutzt. Man erinnere sich ebenso an James Mankes Tour den Grand Canyon herunter im letzten Jahr. Er hat dafür einzig ein Grönlandpaddel genutzt. Solange es die richtige Länge und Form für die jeweiligen Bedingungen hat und mit dem entsprechenden Training, kann ein Grönlandpaddel hervorragend für jede Umgebung und sämliche Bedingungen sein. Ist es perfekt? Das herauszufinden liegt bei Dir! Ich hoffe, Dir die feinen Unterschiede im Design des Grönlandpaddels bewusst zu machen und Dir dadurch auf Deiner Suche nach dem perfekten Paddel zu helfen.

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Eine Auswahl meiner Paddelsammlung der folgenden Paddelhersteller: Sipke Deboer, Adanac Paddles, Lumpy Paddles, TandJ Paddles, Joe O’ Paddles, Northern Light Paddlesports, Superior Paddles, Gear Labs, Novorca. (Viele Paddel fehlen auf dem Bild, weil sie gerade verliehen waren. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich so viele Paddel besitze: um anderen die Möglichkeit zu geben, sie auszuprobieren. Bei einem Workshop kannst Du das ebenfalls.)

Es wurde bereits viel über die Prinzipien geschrieben, wie sich die Dimensionen des Grönlandpaddel an Hand der Körpermaße herleiten lassen. Diese Regeln sind auf vielen der Webseiten gut dokumentiert, die sich mit traditionellem Paddeln beschäftigen. Länge, Breite, Schaftgröße, Position der Paddelschulter etc. berechnen sich danach an Hand der Körperproportionen des Paddlers. Ein Punkt, der häufig dabei übersehen wird, ist, dass das persönliche Kajak traditionellerweise ebenfalls an Hand verschiedener Körpermaße konstruiert wurde. Es passte also nicht nur das Paddel zum Paddler, sondern auch das Paddel zum Kajak. Solange er nicht sein individuelles skin-on-frame Kajak baut und die Dimensionen mit traditionellen Maßen festlegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass der moderne Seekajaker ein Kajak vergleichbarer Proportionen fährt. Die meisten modernen Kajaks sind breiter, haben einen flacheren Boden, sind kürzer und haben ein höheres Deck. Üblicherweise sitzt der Paddler aufrecht auf einem bequemen Schaumstoff- oder Fiberglassitz – das ist ein großer Unterschied zum Sitzen auf einer Schicht von Tierpelzen, die Deinen Hintern vor dem kalten Wasser schützt, das Dir die Spante des Kajaks in den Körper drückt. Diese Änderungen im Kajakdesign haben zu parallelen Änderungen im Paddeldesign geführt. Außerdem hat sich die Nutzung des Kajaks verändert. Rock hopping, Surfen, Wildwasserfahrten, Gepäckfahrten, Roll-Wettkämpfe und Rennen haben sich alle entwickelt, als das Kajaken sich von einer existenziellen Fähigkeit zum Überleben zu einem Sport und Mittel der Erholung entwickelt hat. So wie sich unsere Nutzung des Kajaks verändert hat, so haben sich die Paddel verändert, die wir nutzen.

Wenn man einen näheren Blick auf die Archive der bekanntesten Kajakforen wirft, wird man unzählige erbitterte Debatten darüber finden, ob das Grönlandpaddel besser ist als ein Europaddel und welches das „richtige Paddel“ für verschiedene Aufgaben ist. Meine Lieblingskommentare kommen regelmäßig von Leuten, die Grönlandpaddler fragen, wann sie das letzte Mal auf Robbenjagd waren. Ich bin mir sicher, dass solche Diskussionen nicht aussterben, solange verschiedene Designs von Paddeln gebräuchlich sind.

Statt über die verschiedenen Vorzüge zu streiten, lass uns lieber für den Rest des Artikels unterstellen, dass Du eine dieser Personen bist, die sich aus welchem Grund auch immer für die Nutzung eines Grönlandpaddels entschieden hat.

Wenn Du daran interessiert bist, ein historisches Paddeldesign der Inuits für die Robbenjagd nachzubauen, gibt es eine Vielzahl großartiger Bücher mit einem Überblick über alle entscheidenden Maße derjenigen Paddel, die von Historikern zusammengetragen wurden – mein Lieblingsbuch ist Kayaks of Greenland von Harvey Golden. Genausowenig wie der bloße Nachbau eines skin-on-frame-Kajaks für die Jagd nicht zwangsläufig ein für Dich passendes Kajak ergibt, wird der Nachbau eines historischen Paddels nicht zwangsläufig das perfekte Paddel für Dich zur Folge haben. Für viele ist der ausschlaggebende Punkt auch nicht die Perfektion, sondern die Freude und Belohnung, die man daraus zieht, Geschichte wieder aufleben zu lassen.

Der Rest dieses Artikels wurde geschrieben, um denjenigen zu helfen, die den Ursprüngen unseres Paddelsports huldigen und ein traditionelles Grönlandpaddel nutzen wollen, aber es auch als praktisches, effizientes und angenehmes Werkzeug begreifen.

Die Größe muss zum Zweck und Boot passen

Reduziert auf die wesentlichen Elemente gibt es eigentlich drei absolut kritische Größen an einem Grönlandpaddel: die Gesamtlänge, die Breite des Blattes und die Länge des Schaftes. Aktuell fahre ich gern mit Paddeln drei unterschiedlicher Längen: 2,13 m, 2, 18 m und 2,28 m. Jedes Paddel hat einen sehr unterschiedlichen Mix der verschiedenen Dimensionen und seinen speziellen Einsatzzweck.

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Drei meiner Lieblingspaddel: 2,13 m x 9 cm, 2,18 m x 8 cm, 2,29 m x 7 cm

Das Paddel für’s Surfen oder rock hopping ist ein kürzeres und breiteres Paddel (2,13 m lang und 9 cm breit) als die Paddel, die ich für Langstreckenfahrten einsetze. Zwischen den Felsen sorgt die zusätzliche Breite für einen größeren Biss des Paddels in einer frühen Phase des Schlags, es funktioniert auch im flacheren Wasser oder muss nicht so tief eingetaucht werden und die größere Hebelwirkung ermöglicht schnellere Richtungswechsel. Später werde ich auch noch auf die Blattform eingehen, die ebenfalls diese größere Kraft fördert. Im Surf werden zwei Faktoren besonders wichtig: einer ist die Möglichkeit schnell zu beschleunigen und der andere ist das Paddel schnell über das Kajak umzusetzen. Die Beschleunigung wird begünstigt durch eine breitere Blattspitze. Ein kürzeres Paddel kann durch seinen geringeren Schwung und das frühere Auftauchen aus dem Wasser leichter von einer Seite auf die andere geführt werden. Ein längeres Paddel wird schwerfälliger sein, weil Du das Paddel hochhebeln musst, um es aus einer Welle zu lösen. Eine Herausforderung durch ein kürzeres Paddel ist die geringere Kraft des Heckruders, einem üblichen Paddelschlag beim Surfen. Jede Veränderung ist ein Kompromiss. Um Dein perfektes Paddel zu finden, musst Du die Kraft für Richtungswechsel und die Geschwindigkeit für das Umsetzen des Paddels ausbalancieren.

Auf Langstreckenfahrten wechsle ich lieber auf ein längeres, schmaleres Paddel (2,28 m lang und 7 cm breit). Das schmalere Blatt sorgt für einen sanfteren „catch“ des Paddels beim Eintauchen ins Wasser und das wiederum verringert die Belastung der Schulter bei jedem einzelen Schlag. Die zusätzlich Länge lässt das Paddel tiefer eintauchen und sorgt dafür, dass eine hinreichende Fläche des Paddels im Wasser liegt, um einen effizienten Vorwärtsschlag zu ermöglichen.
Mein Alltagspaddel ist mein Lieblings-Rollpaddel (2,18 m lang und 8 cm breit). Aus meiner Erfahrung heraus ist diese Größe sehr vielseitig. Beim Erlernen der Rolle mag ein breites, langes Paddel den Leuten das Gefühl geben, besser zu rollen. Aber das ist irreführend, denn eine gute Beherrschung der Rolle hängt nicht von der Oberfläche des unterstützenden Paddels ab. Ich rolle lieber mit meinem regulären Paddel, da mir das schnell zeigen wird, ob ich mich zu sehr auf das Paddel verlasse, weil die geringere Oberfläche es schneller absinken lässt, sobald ich mich darauf stütze.
Vor der Dimensionierung des Paddels ist es hilfreich, die Schaftweite festzulegen. Der Schaft wurde üblicherweise mit der Hüftbreite des Paddlers und einer zusätzlichen Handbreite bemessen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Breite des Kajaks ebenfalls berücksichtigt werden muss, sofern man ein breiteres Boot fährt als die historischen Kajaks. Je breiter das Kajak ist, desto länger muss der Schaft werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass traditionelle Grönlandkajaks nur ein paar Zentimeter breiter als die Hüften waren. Meine bevorzugte (durchschnittliche) Schaftlänge ist 51 cm – das passt für meine Grönlandkajaks und britischen Seekajaks, mit Breiten zwischen 48 und 54 cm. Wenn Du Dir den Unterschied bewusst machen willst, nimm einen kurzen Besenstiel zur Hand, setz Dich in Dein Kajak und führe mit unterschiedlichen Handabständen eine flüssige Paddelbewegung aus – und schaue, wie sie sich verschiedene Positionen anfühlen! Finde den optimalen Bereich und miss den Abstand! Prinzipiell ist die Schaftbreite der Abstand der jeweiligen Punkte zwischen erstem und zweiten Fingerknöchel an jeder Hand.

Meine Paddellänge habe ich bemessen, indem ich mich mit einem Besenstiel (mit der vorher gemessenen Schaftbreite) in mein Kajak gesetzt und zu einer Bewegung wie beim Vorwärtsschlag angesetzt hab. Ich wollte eine Paddellänge erreichen, die an dem Punkt ins Wasser eintaucht, an dem der Zugarm voll ausgestreckt, mein Rumpf leicht eingedreht und meine Hand in ihrer natürlichen Position und Höhe für den Paddelschlag war. Wenn Du das selbst ausprobierst, musst Du berücksichtigen, in welchem Winkel Du das Paddel führen willst. Eine steile oder flache Paddelbewegung verändert die Höhe der führenden Hand nachhaltig, welche wiederum den Winkel beim „catch“ und damit die optimale Paddellänge verändert.
Sobald man die Schaftlänge und Gesamtlänge gefunden hat, ist der nächste wesentliche Wert die Blattbreite. Üblicherweise wird von der Blattbreite am breitesten Punkt gesprochen. Das Bewusstsein, wo und welche Art von Paddelaktivitäten Du planst, wird Dir helfen über die Blattbreite zu entscheiden. Wie oben geschrieben, benutze ich verschiedene Blattbreiten jeweils passend zu verschiedenen Umgebungen. Geh nicht davon aus, dass es eine Größe für alle gibt! Wenn Du darüber nachdenkst, mit dem Grönlandpaddel zu rollen, ist es wichtig sicherzustellen, dass das Blatt angenehm in Deine Handfläche zwischen Daumen und Finger passt, um alle Arten von Rollen (auf der flachen Stütze basierende und vorwärts endende bzw. auf der hohen Stütze basierende und rückwärts endende) bequem absolvieren zu können. Wenn Dein Paddelblatt zu breit ist, läufst Du Gefahr, dass Du es am Rand nicht richtig greifen kannst und es Dir während der Rolle entgleitet. Die beste Kontrolle hast Du, wenn Du das Blatt angenehm greifen kannst.

Die Form des Blattes

Grönlandpaddel verjüngen sich vom der Spitze zum Schaft – manche in gerader Linie, andere mit einer konkaven, wiederum andere mit einer konvexen Kurve. Die Kraft des Paddels bei der Beschleunigung hängt substanziell von der Zunahme der eintauchenden Oberfläche beim Versenken des Paddels ab. Um die Beschleunigung im Surf und die Kraftübertragung beim rock hopping zu maximieren nutzen viele – mich eingeschlossen – Paddel, bei denen die ersten 15 bis 20 cm die selbe Breite haben und sich dann mit einer konvexen Form bis zu den Schultern des Schafts verjüngen. Bei meinem Langstreckenpaddel versuche ich die Kraftübertragung auf die Schulter zu minimieren und gestalte daher den „catch“ sanfter. Dafür mag ich es, wenn sich das Paddel in fast gerader Linie verjüngt.

Die Form der Spitze

Wie es viele Religionen gibt, gibt es viele Formen für die Blattspitze. Von halbrund bis eckig und alles dazwischen. Die Form der Blattspitze scheint viele Auswirkungen zu haben: sie verändert das Geräusch, wenn das Paddel ins Wasser taucht, sie verändert leicht die Blattoberfläche und sie wirkt sich darauf aus, wie das Wasser während der Zugphase des Paddelschlags um das Paddel fließt. Manche Leute weisen der Blattspitze auch eine Verantwortung für das Flattern zu. Aber ich denke, die Blattform insgesamt hat einen viel größeren Eifluss auf das Flattern. Außerdem gibt es ästhetische Aspekte. Ich persönlich mag runde Spitzen, solange ich nicht auf maximale Kraftübertragung abziele – dann nehme ich eine gerade Blattspitze mit abgerundeten Ecken.

Blattquerschnitt

Grundsätzlich verändert sich der Blattquerschnitt entlang der Länge des Paddels. Ein flacheres Profil an der Blattspitze scheint es dem Paddel zu erlauben, leiser und effizienter ins Wasser einzutauchen. Eine Diamant-Form nah der Paddelschulter hilft dabei, den Eintauchwinkel (und die schräge Führung – „cant“) besser zu kontrollieren, was besonders Anfängern dabei hilft, die traditionellen Paddelschläge auszuführen. Beim Schnitzen aus Holz ist wichtig, genug Material über die ganze Länge zurückzubehalten, damit das Paddel seine Stabilität behält. Dünne Blattquerschnitte sind empfindlicher, wenn sie mit Steinen in Berührung kommen – einmal mehr ist es an Dir, das Design des Paddels der Umgebung anzupassen.

Beim Paddeln scheinen die meisten Inuit die Paddelblatt leicht schräg geführt zu haben. Da das Paddel durch das Wasser schneidet, ist es am sinnvollsten eine tragflächenähnlichen Querschnitt zu konstruieren, um während des Paddelschlags eine laminare Strömung über dem Blatt zu erzeugen – wie beim Wingpaddel. Im Querschnitt sind die Paddelblätter symmetrisch, was die Erzeugung einer laminaren Strömung einschränkt. Aber eine hydro-dynamisch effiziente Form kann einen großen Einfluss darauf haben, wie sich das Paddel anfühlt.

Der Anströmwinkel des Arbeitsblattes beeinflusst den Winkel, in dem das Paddel während jedes Paddelschlags gehalten werden muss. Leute, die ein neues Paddel als flatternd empfinden, halten es normalerweise in einem Winkel, für den es nicht konstruiert wurde. Durch Testen einiger Paddel mit verschiedenen Querschnitten, wirst Du in der Lage sein, die Form für den Winkel zu finden, in dem Du das Paddel führen möchtest.

Schulterform

Die Schultern des Paddels beeinflussen den Komfort des Paddels genauso wie der Winkel, in dem Du es hältst. Während des Paddelns solltest Du keine Druckpunkte verspüren. Unter normalen Umständen sollten auch keine Blasen an Deinen Fingern oder Handflächen auftreten. Viele Paddelmacher haben einen guten Ruf erworben durch ihre Fähigkeit, sanfte und angenehme Schultern herzustellen. Der Wert der Erfahrung dieser Paddelbauer sollte nicht unterschätzt werden. Schlechte Schultern können ein Paddel ruinieren.

Eine andere Option, die Du bei der Nutzung von Grönlandpadden in Betracht ziehen solltest, ist auf Schultern ganz zu verzichten. Ich mag das Paddeln mit schulterlosen Paddeln, weil es einen schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Seiten im Surf und den einfachen Übergang in den Gleitschlag („sliding stroke“) erlaubt. Einige Leute bevorzugen aber, besonders am Anfang, das solide Gefühl, das Schultern ihnen geben, indem sie keinen Zweifel aufkommen lassen, wo man gerade das Paddel anfasst und wann es korrekt ausgerichtet für Paddelschläge oder Rollen ist.

Schaftquerschnitt

Grundsätzlich gibt es drei Varianten von Schäften: eckig, oval und rund. Eckige und ovale Schäfte tendieren dazu, beim Greifen mit einem bestimmten Winkel in der Hand zu liegen, was den Paddelblättern seitliche Stabilität verleihen kann. Runde Schäfte tendieren dazu, keine stabilisierende Wirkung zu haben, können aber angenehm bei jedem Winkel gegriffen werden. Der Schaftquerschnitt sollte so dimensioniert werden, dass Dein Daumen und Zeigefinger den Schaft bequem umrunden können und Dein kleiner Finger nicht angespannt ist. Einige eckige Schäfte können unbequem sein, wenn Du das Paddel nicht angewinkelt führst („canted stroke“). Du solltest also bei der Auswahl des Schaftquerschnitts berücksichtigen, wie Du paddeln möchtest.

Material

Die traditionellen Materialien zur Herstellung von Grönlandpaddeln sind Holz und Knochen. Für den durchschnittlichen Paddler dürfte das Material der Wahl Holz sein. Mein Favorit ist schöne, dicht gemaserte Zeder ohne Astlöcher, aber viele andere Hölzer wurden erfolgreich genutzt. Fichte wurde für viele sehr stabile Paddel genutzt. Zeder wird für sehr leichte Paddel verwendet. Es muss immer ein Kompromiss gefunden werden zwischen der Verfügbarkeit der Materialien und dem angestrebten Design. Viele Paddler passen entweder Hartholzspitzen ein, um die traditionellen Knochen zu ersetzen – andere tauchen die Paddelspitzen in Epoxid oder ähnliche Materialien, um sie zu verstärken. Ich schleife lieber die durch Stöße entstehenden rauhen Enden mit Schleifpapier ab und reibe sie mit Tung-Öl ein, damit sie weiter gut aussehen und das Wasser abweisen.

Es gibt viele kommerzielle Anbieter von Grönlandpaddeln, die hauptsächlich Holz und Carbon als Material verwenden. Insbesondere Carbon wird genutzt, um leichte und stabile Paddel zu konstruieren. Die Vorteile der Carbonfaser-Technologie erlauben, Paddel zu bauen, die aus Holz so nicht verlässlich konstruiert werden könnten. Ultradünne Blätter, die einige Rennkajaker bevorzugen, würden schnell beschädigt werden, wenn sie aus Holz gefertigt wären – aber die Stabilität von Carbon und Epoxy erlaubt die Kreation einiger sehr eleganter Designs. Durch den Gießprozess sind die Carbon-Paddel generell sehr robust. Durch Änderung der Zusammensetzung des Carbons kann auch die Flexibilität des Paddels geändert werden, damit sie entweder in ähnlicher Weise nachgeben wie Holz oder so steif sind wie Stahl. Du hast die Wahl.

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Bauplan, freundlicherweise bereitgestellt von Novorca, for 2,18 m x 8cm X2 Design Paddel. Beachte den linsenförmigen Querschnitt nahe dem Schaft und das leistungsfähige Design der Spitze.

Ein Paddel kaufen

Ich habe schon viele Leute getroffen, die glauben, das für sie perfekte Paddel zu besitzen. Viele dieser Paddler haben niemals den Luxus genossen, verschiedene Paddel auszuprobieren und zu experimenieren, um den Einfluss von Design und Größen und damit den Unterschied zwischen einem guten Paddel und einem großartigen Paddel zu verstehen. Bevor man sich für ein kommerziell gebautes Paddel entscheidet, empfehle ich, entweder zu versuchen, ein paar Paddel selbst zu bauen, um zu verstehen, welche Größe und Form zu Dir, zu Deinem Paddelstil und zu Deinem Kajak passt – oder so viele Paddel wie möglich von verschiedenen Paddlern zu borgen und herauszufinden, wie sie sich für Dich anfühlen und wofür Du sie einsetzen kannst. Einfach ein Grönlandpaddel aus einem Ladenregal oder von einer Webseite zu nehmen und zu erwarten, dass es großartig ist, wird nicht dafür sorgen, dass Ihr beide langfristig glücklich miteinander werdet.

Die Qualität kommerzieller Paddel – gleich ob Holz oder Carbon – variiert merklich. Einige Hersteller sind stolz darauf, Kunstwerke zu kreieren. Einige Schreiner sind sehr gut darin, die richtigen Holzbohlen auszuwählen, ein wesentlicher Teil für das Bauen eines Holzpaddels. Einige sind preiswert, andere sind teuer. Einige bieten eine große Bandbreite von Längen, andere haben nur wenige Größen im Angebot. Jedes Paddel ist ein Kompromiss. Frag Deine Paddelfreunde und in Online-Netzwerken nach Empfehlungen, lies Online-Bewertungen (ich habe viele veröffentlicht). Es gibt da draußen einige mit wirklichem handwerklichen Können, die in der Lage sind, sehr spezielle Paddel zu bauen – vielleicht ja sogar Dein perfektes Paddel.

Christopher Crowhurst, ein in Minnesota / USA lebender Exil-Brite, ist leicht besessen vom Grönland-Rollen. Im Jahr 2010 hat er Qajaq Rolls gegründet, ein philanthropisches Unternehmen, dass die Weitergabe der traditionellen Kunst des Grönland-Rollens im Kajak (qajaq) fördert. Christopher hat Videos, Schaubilder und schriftliche Anleitungen entwickelt, um Paddlern dabei zu helfen, traditionelle Grönlandrollen zu lernen. 2010 hat er im Selbstverlag Rolling with Sticks veröffentlicht, ein wasserfestes Handbuch über fünfundzwanzig Grönlandrollen, und dies um eine Begleit-DVD ergänzt. 2011 nutzte er das Unternehmen, um ein Programm kostenfreier Rollen-Workshops zu etablieren und zu finanzieren. Diese bieten Praxistraining für Paddler, die ihre Grönland-Rollen weiterentwickeln wollen.Christopher kann über seinen Webseite http://qajaqrolls.com kontaktiert werden.

Singapur: Paddeln unter tropischer Sonne

06_22_Singapur-12Dienstreisen haben manchmal den Vorteil, dass man noch ein paar freie Tage dranhängen kann und das bei entsprechenden Zielen auch möchte. Im Sommer 2012 und Singapur war bei uns beides der Fall. Ein Besuch im Inselstaat bot sich einfach an, auch einen kleinen Paddelausflug zu unternehmen. Dank der Thailand-Erfahrungen hatten wir schon vor Reiseantritt an die wesentliche Ausrüstung gedacht (Badehose, dünnes Langarmshirt & Schirmmütze mit Nackenschutz). Nun fehlte also nur noch die passende Gelegenheit, sich ein Kajak zu leihen. Mit Reiseführer, Internet und persönlichen Empfehlungen hatten wir diverse Gelegenheiten ausgemacht:

  • Der Tipp aus dem Reiseführer war ein glatter Reinfall. Auf der Singapur vorgelagerten Insel Sentosa gibt es am Siloso Beach die Möglichkeit, Kajaks zu leihen. Die in Aussicht gestellten „sea canoes“ waren Sit-on-Tops, auf denen man für gut 30 Euro die Stunde in einer 200m breiten Bucht auf und ab fahren darf. In selbiger zu baden fanden wir dann doch reizvoller.
  • Das Mac Ritchie Reservoir ist eines von Singapurs Süßwasser-Reservoirs, zentral auf der Insel gelegen. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass es dort zwar einen Kajakverleih gibt, die Fahrten dort allerdings restriktiv gehandhabt werden. Ohne vorher verschiedene Kurse bei der Singapore Canoe Federation absolviert zu haben, darf man sich auch dort nicht allzu weit vom Ufer entfernen.
  • Eine Kollegin vor Ort wusste zu berichten, dass ein Kanuverein gern interessierte Paddler mitnimmt. Allerdings wurde dort gerade für ein Drachenbootrennen trainiert. Das war uns dann unter tropischer Sonne doch zu viel des Guten.
  • Ein Bericht beim SV Wacker Burghausen gab dann den Ausschlag für die Wahl der Lokalität.

Am Pasir Ris Beach Park gibt es einen Kajak-Verleih, der auch ohne Kurse Kajaks vermietet – bestens angebunden an Singapurs U-Bahn. Wir machten uns also auf zu einem kleinen Verleih direkt neben dem Restaurant „Water Cross“ (auf den Parkplänen gut verzeichnet). Angekommen waren wir positiv überrascht, dass neben den obligatorischen Sit-on-Tops auch Seekajaks vorhanden waren. Der Vermieter war ein wenig skeptisch, sie uns auch zu vermieten. Nach ein wenig Fachsimpeln als Kompetenznachweis gab er uns zu den „Current Design Storm“-Booten auch noch ein paar erstklassige Tourentipps. So ganz traute er dem Braten und unserem Können wohl doch nicht, kündigte er doch an, um 18 Uhr (eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang) eine Suchmannschaft loszuschicken, wenn wir bis dahin nicht zurück wären.

Wir peilten jedoch voller Zuversicht den Ausgang der Betonnung an, die die Badestrände vom Fahrwasser trennt und setzten Kurs auf eine Gruppe von Fischfarmen, die zwischen uns und der Insel Pulau Ubin lagen. Von dort aus ging es direkten Wegs auf eine kleine vorgelagerte Insel zu. Die wollten wir umrunden, da uns dahinter ein sehenswerter Mangrovenwald in Aussicht gestellt wurde. Mangels Guide waren wir auf einen kleinen Arm beschränkt, da sonst die Suchmannschaft wohl doch zu tun bekommen hätte. Relativ weit vom Stadtzentrum entfernt und vom Wasser aus, hinterlässt Singapur einen komplett anderen Eindruck, ohne Stahl und Glas – dafür mit viel tropischer Natur und weniger prächtigen Wohnhäusern für die Stadträndler. Den sollte man sich nicht entgehen lassen!

Hiddensee-Marathon 2014 – Pleiten, Pech und Pannen

Wenn ich zur Zeit bei etwas im Training bin, dann ist es frühes Aufstehen. Der 4:00-Uhr-Wecker am Samstagmorgen zaubert mir also nur ein müdes Lächeln ins Gesicht. Das mit dem Paddeln ist da schon herausfordernder. Wegen anderer Prioritäten habe ich keine 300 km an Vorbereitung im Boot vorzuweisen. Im Vorjahr waren es fast dreimal so viel. Zwar habe ich mich mit ein wenig Krafttraining zu Hause und der ein oder anderen 45-Minuten-Einheit auf dem Ergometer fit gehalten. Aber, dass mir Bootskilometer fehlen, ist mir trotzdem klar. Zwei längere Touren in den letzten vier Wochen geben mir aber die Zuversicht, dass ich zumindest die Distanz von 70 km innerhalb der Zeitvorgaben durchhalten werde. Viel mehr habe ich mir daher auch nicht zum Ziel gesetzt – auch wenn ich natürlich auf eine etwas bessere Zeit als bei den ziemlich widrigen Bedingungen vom Hiddensee-Marathon 2013 schiele.

Nach dem Startschuss befinde ich mich in meinem natürlichen Habitat – ziemlich weit hinten. Die hintere Gruppe ist in diesem Jahr aber etwas größer. Auch insgesamt habe ich das Gefühl, dass sich das Feld nicht so schnell auseinanderzieht. Gleich zu Anfang gibt es eine schöne Überraschung: wir starten mit Rückenwind. Sobald aber die Seeseite von Hiddensee zu befahren ist, heißt das für mich ebenso wieder, dass das Skegboot häufig ausschlägt. Soweit, so bekannt – leider. Trotzdem geht es in diesem Jahr flotter voran auf die Nordspitze.

Dort macht sich so langsam Erschöpfung bei mir breit, sodass die obligatorische Pause beim „Toten Kerl“ sehr gelegen kommt. Nach einer kurzen Rast gehe ich halbwegs regeneriert die zweite Hälfte an. Ab jetzt gibt es Wind von schräg vorn. Ich fahre daher mein Skeg aus. Möchte ich zumindest… das Skeg hat sich offenbar beim Anlanden verklemmt. Und auch ohne dass ich großen Druck ausüben würde, löst sich sofort der Schieber vom Zugseil und das Skeg ist nicht mehr einsatzfähig. Soweit, so bekannt – leider. Werkzeug habe ich dabei. Das letzte Mal auf Elba hat mich diese Reparatur unterwegs aber ein bis zwei Stunden gekostet. Das ist heute nicht drin. Also beschließe ich die 35 km ohne funktionstüchtiges Skeg weiterzufahren. Laut Prognose soll der Wind ja nicht allzu stark sein. Das geht die ersten Kilometer auch ohne größere Korrekturorgien gut. Irgendwann lässt der Wind sogar fast ganz nach.

Leider gibt es trotzdem ganz nette Dünungswellen aus Richtung Hiddensee. Und die machen mich irre! Keine drei Schläge kann ich jetzt machen, ohne dass sich mein Boot zu den Wellen drehen will und ich ein bis zwei Korrekturschläge einbauen muss. Ich freue mich daher schon ziemlich, dass ich das letzte Meldeboot innerhalb der Zeitvorgaben erreiche. Ab jetzt sinken die Ansprüche immer rapider: nur noch schaffen heißt die Devise. Nicht die besten Ausgangsbedingungen für noch gut 15 km. Die ständig notwendigen Korrekturen lassen mich verspannen, sodass ich immer wieder Pausen einlege, um mich im Boot zu strecken. Offenbar übe ich bei der letzten dieser Streckübungen zu viel Druck auf meinen Rückengurt aus, der nun aus der Verankerung reißt. Soweit, so bekannt – leider. Meine von „Das ist jetzt nicht wahr!“ eingeleiteten Flüche hört zum Glück nur der wieder leicht aufgefrischte Wind. Jetzt heißt es: „Trotz alledem!“ Ich will aus eigener Kraft in Stralsund einlaufen, obwohl hinter mir schon drei Begleitboote recht verlockend vor sich hin tuckern.

Auf dem Festland und Rügen zieht jetzt zu allem Glück noch ein Gewitter auf. Immer schneller zieht es zu, Blitze zucken und Donner grollt. Die eben noch sichtbaren Kirchtürme von Stralsund verschwinden wieder im Dunst. Als mich die ersten Tropfen erreichen, wächst auch die Gewissheit, dass das mit der Weiterfahrt wohl eng wird. Kaum habe ich das realisiert, kommt mir auch ein weiteres Begleitboot entgegen. Im Schlepp hat es die beiden Boote, die sich in der letzten halben Stunde deutlich abgesetzt haben, nachdem wir einige Zeit gleichauf gepaddelt waren. Mir wird der Rennabbruch verkündet und ich werde einem DLRG-Boot zugewiesen und von den freundlichen Begleitern an Bord genommen. Bei 61 km und knapp 90 Prozent der Strecke ist damit Feierabend. Ich erkläre meinen Taxifahrern kurz, warum ich so ein sonderbares Paddel benutze, wir sammeln noch einen weiteren Paddler ein und brausen zurück nach Stralsund.

Mit ziemlicher Sicherheit hätte ich mich ohne den Rennabbruch noch die letzten Kilometer ins Ziel gequält. Aber das Wetter hat diesmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war die Mühe trotzdem wert. Großer Respekt gilt vor allem den zahlreichen Begleitbooten, die demonstriert haben, dass sie und die Rennleitung vom Stralsunder Kanu-Club stets alles im Griff hatten. Mit diesem beruhigenden Gefühl fällt es leicht, sich voll und ganz auf sich selbst und die eigenen Herausforderungen zu konzentrieren. Bis zum nächsten Jahr!

Nachklapp: Die Ergebnisse sind jetzt verfügbar – mit der von den Veranstaltern „kalkulierten Zeit“ bin ich ganz zufrieden 😉