Ein Plan und der südlichste Punkt Dänemarks

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“ pflegte John „Hannibal“ Smith stets zu sagen. Sowas kann mir nicht passieren. An die Ostseeküste fahre ich nur mit Boot und das muss auf’s Wasser – egal, wie das Wetter ist. Wir verbringen den Urlaub in Marielyst auf Falster, gut zehn Kilometer nördlich von Gedser. Der Wind bläst kräftig aus Süd. Also: was liegt näher als gegen den Wind nach Gedser zu paddeln und zurück zu surfen? Vieles sicherlich – aber das ist hier immer noch mein Plan!

Also geht es auf die Ostsee. Wie erwartet, ist das Paddeln gegen einen 6er Wind nicht wirklich einfach. Ich verbuche das unter Training. Wirklich flott bin ich nicht und die Südspitze von Falster kommt und kommt nicht näher. Unter dem Strich paddle ich einen guten 4er-Schnitt. Durchaus annehmbar. Je näher ich der Südspitze komme, desto stärker bläst mir der Wind entgegen. Teilweise habe ich das Gefühl, gar nicht mehr voranzukommen. Neben mir schweben Möwen elegant auf der Stelle und schießen immer wieder pfeilschnell ins Wasser. Ich gebe nochmal alles und fahre um die Südspitze, den südlichsten Punkt Skandinaviens. Für Ehrfurcht habe ich keine Zeit. In Anbetracht der brechenden Wellen und des ein oder anderen Felsens wechsle ich die Schirmmütze gegen den Helm, der griffgreit auf Deck hinter mir liegt. Auch wenn meine Pläne nicht immer die besten sind, bin ich zumindest vorbereitet.

Ich schiebe mich weiter um die Inselspitze herum. Die Wellen werden immer größer und sind teilweise eineinhalb bis zwei Meter hoch. Ich versuche, mich nicht von ihnen mitnehmen und an Land drücken zu lassen. Das geht eine ganze Weile gut. Je mehr ich aber den Rest der Strecke einsehen kann, desto weniger Lust verspüre ich, weiterzupaddeln. Die noch verbleibenden zwei bis drei Kilometer gibt es ziemlich starken Wind und brechende Wellen von der Seite. Wäre ich nach drei Stunden gegen den Wind paddeln nicht schon völlig fertig, hätte ich das vielleicht sogar in Angriff genommen. So bin ich aber fast dankbar, als mich einer der Brecher nun so weit ans Land trägt, dass ich nicht mehr weg komme. Ich konzentriere mich also darauf, eine der Stellen zu erwischen, die frei von Felsen sind. Das Anlanden ging auch schon mal eleganter – aber sei es drum. Raus ist raus. Das GPS sagt: 12 km in drei Stunden. Rekorde sehen anders aus.

Ein freundlicher Urlauber hilft mir dabei, das Boot die Küste hinaufzutragen, und weist mir den Weg Richtung Gedser. Er kündigt mir zudem einige schöne Fotos an, die er von mir geschossen hat. Zwei weitere Pluspunkte auf meiner Vorbereitungsliste: Bootswagen und Wechselklamotten sind im Kajak. Wäre ich beim Rollern an der Küste nicht noch in einen heftigen Schauer gekommen, wäre also zumindest Plan B ziemlich gut aufgegangen.

Wildwasser im Erzgebirge

wwerz_01„Ich fahre nach Süden“ antworte ich dem fragend schauenden Anhalter. „Mit dem Surfkajak?“ entgegnet er ungläubig. Guter Mann! Trotzdem muss er allein sehen, wie er nach Hamburg kommt. Es geht nach einer gefühlten Ewigkeit tatsächlich mal wieder ins Wildwasser. Ohne Grönlandpaddel – dafür mit meinem neuesten Boot im Stall, dem Necky Jive. Seiner Vorbesitzerin habe ich erst vor ein paar Wochen zugesichert, dass er in gute Hände kommt.

An diesem Wochenende fahren wir nun gemeinsam ins Erzgebirge. Die Sportfreunde vom SC Berlin-Grünau organisieren seit Jahrzehnten im März eine Fahrt auf erzgebirgischen Wildflüssen. Weil es in diesem Jahr kaum Schmelzwasser gibt und auch der Regen zu wünschen übrig ließ, sind wir auf Zuschusswasser aus der Talsperre Rauschenbach angewiesen, damit wir überhaupt fahren können. Zwei der geplanten Touren müssen leider ganz ausfallen – trotzdem war die unterhaltsame Fahrt auf der Flöha die Anreise auf jeden Fall wert.

Nachklapp: Beim SCBG gibt es zur Fahrt ebenfalls einen Bericht.

Die perfekte Welle

Dänemark Aeroe Brandung WellenWenn ich auf Touren abends im Zelt liege, beschäftige ich mich ja gern mit Operatorenrechnung, numerischer Mathematik und Approximationstheorie. Diese Leidenschaft teilt Muchtarbai Otelbajew. Da er offenbar weniger Zeit in seinem Kajak verschwendet, hat er vor mir eines der Milleniums-Probleme der Mathematik gelöst. Mit einer allgemeinen Lösung der Navier-Stokes-Gleichungen will er die Entwicklung von Wellen mathematisch prognostizieren können. Das Preisgeld von einer Million Dollar ist damit für mich einstweilen futsch.
Bleibt also nur, sich seichteren Gebieten der Wellenforschung zu widmen. Als Einstieg in das Forschungsfeld hat sich das Buch „Monsterwellen“ von Susan Casey bewährt. Die Autorin begibt sich darin auf eine unterhaltsame Entdeckungsreise zu Klimaforschern, Schiffsversicherern und immer wieder Surfern. Der Leser erfährt, warum Standup-Paddler bei den Wellenreitern ziemlich unbeliebt sind, und wird Zeuge zahlreicher Obzessionen. Besagte Surfer haben es sich nämlich zur Lebensaufgabe gemacht, 30-Meter-Wellen zu reiten – ganz ohne Kajak wohlgemerkt. Auch dafür winkt ein ansehnliches Preisgeld. Bei der Jagd nach diesen Wellen entwickeln sie eine ähnliche Beziehung zum Wasser wie Captain Ahab zum weißen Wal. Für Freunde bewegter Bilder hat die BBC das Thema Monsterwellen ebenfalls aufbereitet – allerdings gänzlich ohne Surfer.
Eher theoretisch begegnet James Trefil dem Thema. In seiner Abhandlung „Physik im Strandkorb“ liefert er zu 14 Oberthemen Erklärungen – beispielsweise für die Entstehung von Gezeiten und das Verhalten der Brandung. Ihm gelingt spielend, den Jungforscher auch über den Tellerand des eigenen Gebietes hinaus zu begeistern – etwa für die Statik von Sandburgen. Manchmal geraten seine Ausführungen allerdings etwas langatmig, eignen sich dann aber perfekt, das ein oder andere Nickerchen am Strand einzuleiten.

Wir woll’n die Surfbären seh’n!

Eisbaeren_1Es ist vierter Januar, höchste Zeit für Salzwasser unter dem Kiel. Angesagt ist Windstärke 4 aus Südwest, auffrischend und im Laufe des Tages auf Südost drehend. Wir haben uns daher am Vorabend nicht für die klassische Route der alljährlichen Eisbärentour von Travemünde nach Wismar entschieden, da die letzten Kilometer – insbesondere die Querung der Wohlenberger Wiek – bei dem Wind zu anstrengend erscheinen. Vielmehr wollen wir es uns leicht machen und mit dem Wind im Rücken von Wismar aus nach Rerik paddeln. Nebeneffekt: zwei Stunden mehr Schlaf.

Eisbaeren_2Los geht es also kurz nach neun Uhr. Der Hafen von Wismar verströmt in der aufgehenden Sonne eine gehörige Portion Industrieromantik. Wir halten auf die Insel Poel zu und kommen bei milden Temperaturen und angenehmem Sonnenschein ganz erwartungsgemäß aus dem Surfen gar nicht mehr raus. Die Wellen schieben uns plangemäß mit ordentlichem Tempo genau auf die Brücke zwischen Poel und Festland. Nachdem Poel und die ein oder andere flache Stelle passiert sind, hoffen wir an der Seeseite der Halbinsel Wustrow auf weitere Surfwellen.

Dort erwarten Eisbaeren_3uns aber nur Dünungswellen, bei denen ich mich schon sehr anstrengen muss, will ich sie erwischen. Einmal geschafft, rollt die Welle auch viel zu schnell ohne mein Seekajak weiter. Nichtsdestotrotz kommen wir flott voran und Kirchturm nebst Seebrücke von Rerik schnell in Sicht. Nach gut vier Stunden knirscht zum ersten Mal in diesem Jahr der Ostseestrand unter meinem Boot. Herrlich.

Brandungspaddeln in Sankt Peter-Ording (EPP 3)

Auf das Brandungspaddeln hatte ich mich beim EPP 3 besonders gefreut. Nachdem der Termin wetterbedingt (in diesem Jahr war es ja ewig lange ewig kalt) in den Juni verlegt worden war, geht es heute nun endlich los. Wir sind letzte Nacht zu später Stunde in Sankt Peter-Ording angekommen und haben die Zelte im Dunkeln aufgebaut. So langsam erwacht nun alles um uns herum und wir sehen, wer sonst noch so dabei ist: es gibt das ein oder andere Wiedersehen mit Teilnehmern der Spiekeroog-Tour und des Theoriekurses. Nach den üblichen Morgenritualen und ein paar Trockenübungen an Land geht es endlich aufs Wasser. Naja… erstmal heißt es Ewigkeiten über den Deich bis zum Wasser rollern – nachdem das aber geschafft ist, suchen wir uns ein schönes Plätzchen zwischen den Kitesurfern.EPP3_Brandung_01

Wir gehen in Kleingruppen auf’s Wasser. Uns wird Bernd zur Seite stehen – er soll genauso verspielt sein wie ich, was sich später als wahr herausstellen soll. Der Wind bläst kräftig mit Stärke 5, was ziemlich schöne Wellen produziert. Wir stürzen uns mitten in die Brandungszone und fahren am langen Sandstrand entlang. Jede brechende Welle wird genutzt, um flache und hohe Stütze zu üben. Dabei kommen einige spannende Seitwärtssurfs heraus. Natürlich wird auch noch „vernünftig“ gesurft und Team Bernd beweist eine 100%ige Rollquote in der Nordseebrandung.EPP3_Brandung_03 EPP3_Brandung_02  EPP3_Brandung_05 EPP3_Brandung_04 EPP3_Brandung_07 EPP3_Brandung_06 EPP3_Brandung_24 EPP3_Brandung_23 EPP3_Brandung_22 EPP3_Brandung_21 EPP3_Brandung_20 EPP3_Brandung_19 EPP3_Brandung_18 EPP3_Brandung_17 EPP3_Brandung_16 EPP3_Brandung_15 EPP3_Brandung_14 EPP3_Brandung_13 EPP3_Brandung_12 EPP3_Brandung_10 EPP3_Brandung_09

Nach dieser ersten Tuchfühlung mit den Nordseewellen geht es erstmal zurück auf den Zeltplatz. Während der Rest anschließend bei einem Landgang Latte Macchiato schlürfen geht, schnappe ich mir meinen „Kleinen“. Zum Spielen habe ich nämlich noch den Eskimo Xeno auf dem Dach gehabt, der heute das erste Mal Salzwasser sehen soll. Zwischenzeitlich haben Wind und Wellen deutlich zugenommen. Die Wellen sind höher und die Brecher kommen in immer kürzeren Abständen. Das Durchbrechen der Brandungszone fällt mir also extrem schwer. Im Leninschen Geist („Ein Schritt vorwärts, zwei zurück“) schlagen mir die Brecher immer wieder mit voller Wucht gegen die Brust und werfen mich meterweit zurück. Endlich habe ich es geschafft und paddle weiter raus. Der Xeno macht sich gut in der Brandung, ist enorm wenig und surft wie ein großer. Ich fahre auf eine brechende Welle zu, drehe auf dem Wellenkamm auf der Stelle. Etwas, was mit dem Seekajak unmöglich sein dürfte: die Welle nimmt mich mit. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, als ich Ewigkeiten später immer noch wie festgenagelt auf der Welle sitze. Dumm nur, dass ich damit wieder fast am Strand bin. Das will ich nochmal hinbekommen! Paddle also wieder gegen die brechenden Wellen an. Eine besonders heftige, schräg zu meinem Boot einlaufende Welle schmeißt mich um. Ich bin völlig orientierungslos und habe nur noch einen Reflex: raus aus dem Boot. So ein Mist, unfreiwillig geschwommen bin ich schon lange nicht mehr. Also heißt es schwimmenderweise zurück zum Strand. Die Wellen hauen immer wieder in das Boot, das so immer schwerer wird. Gefühlte Ewigkeiten später komme ich am Strand an und leere unter enormen Kraftaufwand das mittlerweile vollgelaufene Wildwasserboot. Einen Versuche unternehme ich noch. Das gleiche Spiel. Die Wellen hauen mir gegen die Brust und drücken mir die Luft aus der Lunge. Neben mir versucht ein Surfer das gleiche Spiel flachliegend auf seinem Board – ebenso erfolglos. Nach mehreren vergeblichen Versuchen haut mich wieder eine Welle um – ich bin jetzt deutlich weiter draußen und schwimme wieder an Land. Das dauert nochmal deutlich länger und ich bin absolut entkräftet. Hier siegt zur Abwechslung mal die Vernunft. Ich ziehe das Boot zum Bootswagen und von dannen.

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Am Sonntag steht eine weitere Runde in der Brandung an. Diesmal wieder in der Gruppe und im Seekajak. Der Wind weht weiterhin mit Stärke 6. Die Wellen kommen dicht hintereinander. Wie durch Butter schneide ich heute durch die Brandungswellen – wäre das nur gestern abend im Xeno genau so einfach gewesen. Die Bedingungen sind noch surffreundlicher als gestern. Ich lege einige geniale Seitwärtssurfs hin. Bernd gibt mir zudem noch ein paar eigentlich einleuchtende Tipps für’s Surfen. Mir wird klar, warum ich in der Vergangenheit dabei häufiger mal gekentert bin – nunja, man sollte darauf achten, stets zur richtigen Seite zu stützen, auch wenn sich das Boot langsam dreht. Unter anderem gelingt mir so ein herrlicher Surf, bis es mich irgendwann langsam querstellt. Ich stütze zur Abwechslung mal zur richtigen Seite, surfe seitwärts. Die Welle dreht mich wieder gerade und ich surfe weiter. Schon erwähnt, dass Seekajak fahren herrlich ist?

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Skegs raus, wir surfen nach Fehmarn! – Kalte Ostern an der Ostsee

Den Fehmarn-Urlaub haben wir geplant, als der Winter eigentlich fast schon vorbei schien. Wer wollte da schon damit rechnen, dass es nochmal richtig knackig kalt werden kann. Spötter meinten nun im Vorfeld, wir sollen uns eher auf Schlittschuhlaufen einstellen oder beginnen, uns für Expressionisten zu erwärmen. Da die Boote nach der Aller-Hochwasser-Rallye nun eh auf dem Dach waren, kamen sie erstmal mit. Das Wetter konnte ja nur besser werden…

Fehmarn Transport Seekajaks verschneite StraßeFehmarn Schnee Seenotrettung DüneFehmarn Buhne Eis Winter

Fehmarn Wellen SonnenuntergangFehmarn Sund Brücke SonnenuntergangNachdem an den ersten Tagen tatsächlich Stadt- und Strandspaziergänge die sportlichen Höhepunkte bildeten, zog es uns bei langsam nachlassendem Wind dann doch irgendwann auf’s Wasser. In unseren Trockenanzügen mit 2-3 Lagen Fleece wahrscheinlich besser verpackt als die Kitesurfer, die am Nordstrand ihre Bahnen zogen, und mit der obligatorischen Sicherheitsausrüstung ging es direkt von der Ferienwohnung aus über den Deich an die Südküste Fehmarns. Der Wind blies mit einer guten 4er Windstärke aus Ost. Um nicht Gefahr zu laufen mit dem Wind freudig hinfortzusurfen und irgendwann nicht mehr zurückzukommen, paddelten wir zunächst gegen den Wind an. So richtig Freude kam dabei nicht auf – wir erreichten kaum eine Geschwindigkeit von 3 km/h. Nach einer guten halben Stunde hieß es daher: „Skegs raus, wir surfen zurück nach Fehmarn!“ und anschließend Auftauen im Hallenbad.

Fehmarn Wellen Seekajak Sund BrückeFehmarn Wellen Seekajak Sund BrückeFehmarn Wellen Seekajak SurfGlücklicherweise wurde es zum Osterwochenende hin doch ein wenig wärmer, die Sonne zeigte sich immer häufiger und der Wind drehte langsam auf Nord. Die Insel bot uns also für zwei weitere Touren zum Flügger Leuchtfeuer und auf den Burger Binnensee nach Burgstaaken hinreichend Windschutz. Das Wasser war fast zu glatt, um wirklich Spaß aufkommen zu lassen. In Anbetracht der Luft- und Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, waren es aber ideale Bedingungen für die ersten Salzwasserkilometer der neuen Saison.

Fehmarn Seekajak SüdstrandFehmarn Seekajak Binnensee Burg EisFehmarn Seekajak Fischkutter Möwen